Gitarrenunterricht im Internet

Seit der Coronazeit tummeln sich im Internet diverse Anbieter für ‘Online-Gitarren-Unterricht’. Bis dahin ist daran nichts auszusetzen. Die Idee an sich finde ich gut. Die Auswahl ist groß. Für den blutigen Anfänger ist es ziemlich schwer zu erkennen was ist ein guter und was ist ein weniger guter Kurs. Dasselbe gilt für YouTube. Mittlerweile macht sich bei mir der Eindruck breit, dass jeder, der auch nur irgendwie eine Gitarre halten kann, sich selbst als [Online] Lehrer ausgibt. Ich glaube, ich habe mir in der Vergangenheit 100 und mehr Anbieter angesehen. Ich sag’s mit einem Wort – gruselig! Was mich allerdings am meisten nervt, ist das ätzende Angebot der sog. Pseudo-Gitarren-Spezialisten bei Facebook. Gitarre spielen lernen ohne zu üben! Wie soll das bitte gehen? 150 Deiner Lieblingssongs mit nur drei Akkorden – ach was! Und alle diese tollen Anbieter labern dir erst einmal ein Ohr ab. Natürlich ist alles kostenfrei – auf jeden Fall. Ganz ganz wenige reden anfangs über die Gitarren-Grundkenntnisse. Es geht gleich los mit Skalen, mit der Pentatonik, mit Rock-Riffs, Blues-Gedöns. Der Anfänger hat schon große Mühe mit der Auswahl des Instrumets, mit der Haltung, mit dem Stimmen. Das Greifen mit der linken Hand (der Linkshänder greift folglich mit der rechten Hand). Und nun geht’s gleich los mit einer Skala. Das kann auf Dauer nur schief gehen. Was ist die Konsequenz? Der Anfänger schmeißt es hin. Wer macht so etwas? Jeder weiß doch, dass der Aufwand für ein solches Projekt ziemlich hoch ist. Es tummeln sich da draußen im weltweiten Internet so viele Scharlatane. Es gibt aber auch durchaus auch gute Leute. Deren Angebot ist aber eben nicht kostenfrei. Der blutige Anfänger [weiblich/männlich] sollte erst mal einen realen Lehrer konsultieren. Auch unter diesen Anbietern gibt es gute und leider auch schlechte Anbieter. Wichtig ist, wenn man Null-Ahnung hat, dass ein Lehrer [freiberuflich, privat oder an einer Musikschule] einem die Grundkenntnisse beibringt. Der Beginn sollte immer auf einer Konzertgitarre erfolgen. Dort korrektes Greifen von Akkorden und Tönen lernen. Notenkenntnisse sind auch nicht ganz unwichtig. Und ein wenig Harmonielehre schadet auch nichts! Es dauert eben doch schon etwas länger bis sich der Körper ans ‘Gitarre Spielen’ gewöhnt hat. Muskeln, Sehnen und Bänder beider Arme und Hände brauchen ihre Zeit. Jeder ist eben anatomisch anders gelagert. Und dann sind da noch die Ohren. Auch die müssen geschult werden. Denn, Musik bedeutet hören, nicht sehen! Deshalb bin ich kein großer Freund von diesen oberflächlichen YouTube-Videos. Da wird maßlos übertrieben. Das hat mit ‘musizieren’ nichts mehr zu tun. Handmade-Music geht anders und klingt anders – ein Glück! Da dürfen schon einmal kleine Fehler auftreten. Das macht die Musik symphatisch. Und Live-Musik klingt anders als Videos und oder digitale Musik. Natürlich hat alles seine Berechtigung.